Therapie

Innerhalb unseres Rehabilitationszentrums ist die Klinik Rhön auf die Behandlung psychischer und psychosomatischer Erkrankungen spezialisiert. Das moderne, mit allem Komfort versehene Haus bietet 160 stationäre und 10 ambulante Behandlungsplätze. Zusätzlich stehen 38 Betten unserer Abteilung in den Räumen der zweiten Klinik des Reha-Zentrums zur Verfügung, der Saale-Klinik. Dort wird in enger Zusammenarbeit mit den auf die Behandlung von Stoffwechsel- und Herzkrankheiten spezialisierten Ärzten der Klinik Saale eine spezielle Rehabilitation für Diabetiker mit psychischen und psychosomatischen Erkrankungen angeboten.

Zu Beginn Ihres Aufenthaltes werden Sie in eine Stationsgruppe aufgenommen. In diesem Rahmen erleben Sie eine Reihe von aufeinander abgestimmten Gruppentherapien. Dabei besteht ihre Behandlung aus einem therapeutischen Grundgerüst, das entsprechend Ihren ganz individuellen Bedürfnissen durch zusätzliche Untersuchungen und durch psychotherapeutische, medizinische, beratende sowie trainierende Therapiemaßnahmen ergänzt wird.

Auch außerhalb der Hauptindikation unseres Hauses werden Erkrankungen der Atemwege, Herz-Kreislauferkrankungen, Erkrankungen des Verdauungssystems, Stoffwechselerkrankungen sowie Krankheiten des Stütz- und Bewegungsapparates von den Fachärzten unserer Klinik zuverlässig erkannt und behandelt. Jeder unserer Patienten wird in der Regel entsprechend seinem Beschwerdebild der Abteilung eines fachlich diesbezüglich qualifizierten Oberarztes zugewiesen.

Während Ihres Aufenthaltes bewohnen Sie ein Einzelzimmer in ruhiger Lage, entweder mit Blick auf die Kuranlagen, oder auf die begrünte Fußgängerzone vor der Klinik. Sie haben die Wahl zwischen der unter ständiger Aufsicht von Diätassistentinnen zubereiteten leichten Vollkost, Reduktionskost, lactovegetabiler vegetarischer oder auch allergenfreier Kost. In Absprache mit Ihrem Stationsarzt sind auch spezielle Sonderkostformen möglich.

Unsere reizvolle Region am Südhang der Rhön um die Fränkische Saale und Bad Kissingen selbst bieten einen bereichernden Ausgleich zu den umfangreichen Trainings-, Schulungsund Gruppeninterventionen. Der Gesundheitsstandort Bad Kissingen gewährt mit seinen weit beachteten kulturellen Veranstaltungen und einem umfassenden Freizeitangebot vielerlei Anregungen. Verbunden sind hier medizinischer Fortschritt und eine Lebensart, die auch den Kunstsinn vergangener Generationen spüren lässt.

Die psychotherapeutischen Bausteine

Die psychotherapeutische Arbeit unserer Klinik orientiert sich Therapie-Schulen übergreifend an modernen tiefenpsychologischen Konzepten.

Dabei wird davon ausgegangen, dass sich wesentliche, im täglichen Leben auftretende Probleme und Konflikte auch in der Therapiegruppe abbilden und auf diese Weise besser verstehen und verändern lassen. In dem geschützten Rahmen der Gruppe bietet sich die Gelegenheit, Problembereiche des eigenen Verhaltens zu erkennen und zu verbessern. Neue Einsichten können im Lernumfeld der Gruppe gut eingeübt werden. Wenn erforderlich, kann die Behandlung durch eine Einzelpsychotherapie ergänzt werden. Die Gruppen bieten auch außerhalb der eigentlichen Therapiestunden ein vertrautes Umfeld mit vielfältigen Möglichkeiten zum Erfahrungsaustausch.

Auf jeder Station gibt es zwei ärztlich oder psychologisch geleitete Psychotherapiegruppen mit jeweils 9-11 Mitgliedern. Die Gruppenleiter stehen für die Dauer des Aufenthaltes als therapeutische Bezugspersonen ihrer Patienten zur Verfügung. Die Gruppen sind halboffen; das bedeutet, dass bei konstanter Teilnehmerzahl in ein- bis zweiwöchigen Zeitabständen ein Wechsel von ab- und anreisenden Teilnehmern stattfindet. Im Sinne einer ganzheitlichen Behandlung wird die Gruppenpsychotherapie durch zusätzliche spezielle Behandlungsformen ergänzt. Es handelt sich dabei um Bewegungstherapie, Körperwahrnehmungsschulung, Gestaltungstherapie, Entspannungstraining und vielfältige Informationsseminare. Ziele dieser speziellen Therapieformen sind z.B. eine verbesserte Nutzung der eigenen kreativen Potenziale, zusätzliche Informationen über Gesundheit und Krankheit, ein vertieftes Empfinden für den eigenen Körper und ein zunächst allgemeines, später auch den speziellen persönlichen Anforderungen angepasstes sportliches Training. Die speziellen Therapieformen finden überwiegend im Rahmen der eigenen Gruppe statt. An den Informationsseminaren und einigen sportlichen Trainingsprogrammen können alle Patienten einer Station, insgesamt nicht mehr als 20 Personen, teilnehmen.

Jeder einzelne Behandlungsplan enthält ein therapeutisches Grundgerüst, das entsprechend dem individuellen Bedarf durch weitere Untersuchungen und Therapien bzw. Beratungen ergänzt wird. Diese ergänzenden Angebote finden teilweise in der Gruppe, teilweise in Einzelgesprächen statt.

Eine wichtige Voraussetzung für den Erfolg der Psychotherapie ist ein gemeinsames Ziel von Patienten und Therapeuten. Man unterscheidet dabei zwischen längerfristigen Gesamtzielen und kurzfristigen Zielen, die in der Zeit der stationären Therapie realistisch erreicht werden können. In der Rhön-Klinik werden diese Therapieziele während der Behandlungszeit gemeinsam von Therapeuten und Patienten immer wieder abgesprochen und weiterentwickelt. Wichtige Ziele sind beispielsweise der erfolgreichere Umgang mit chronischen Schmerzen und körperlichen Beschwerden, eine Verbesserung der körperlichen und psychischen Belastbarkeit, der Aufbau von Lebensfreude und Kontaktfähigkeit oder die Verminderung von Depressionen und Ängsten. Darüber hinaus besteht die Möglichkeit, eine weiterführende ambulante Psychotherapie oder eine spezielle psychosomatische Rehabilitations-Nachsorgebehandlung nach der stationären Behandlungsphase anzuschließen, insbesondere bei Erkrankungen, die wegen ihrer langen Entstehungsgeschichte und ihrer vielfältigen Symptome eine längerfristige Behandlung oder spezialisierte rehabilitative Hilfestellungen erfordern. In diesen Fällen dient die stationäre Rehabilitation nicht nur der psychischen und körperlichen Stabilisierung, sondern auch der gemeinsamen Entwicklung einer längerfristigen Behandlungsstrategie, bei der die Verbesserung der Lebensqualität im Mittelpunkt steht.

Das Grundgerüst

Aufnahmeuntersuchung (einmalig/einzel)

Hierbei handelt es sich um die medizinische Erstuntersuchung bei der durch Befragung wie auch die körperliche Untersuchung darum geht, eine Anamnese zu erstellen.

Erstinterview (einmalig/einzel)

Im Erstinterview erarbeitet die jeweilige Psychologin oder der entsprechenden Psychologen gemeinsam mit dem Patienten in einem Eins-zu-Eins-Gespräch die aktuellen Konfliktbereiche wie auch die psychodynamischen Entwicklungsfaktoren des Einzelnen.

Einführung durch den Leitenden Arzt (einmalig/Gruppe aller Angereisten)

In der ersten Woche wird jeder Patient gemeinsam mit allen anderen in dieser Woche angereisten Rehabilitanden durch den Leitenden Arzt oder seinen Stellvertreter begrüßt und erhält einen kleinen Einblick in das Thema Psychosomatik und den Alltag in der Rhön-Klinik.

Tiefenpsychologisch fundierte Psychotherapiegruppe (Gruppe)

Hier erfolgt die therapeutische Bearbeitung psychischer und sozialer Situationen zumeist entweder verbal oder interaktional, also im Gespräch oder beispielsweise durch Rollenspiele. Da die Interaktionen und Konflikte häufig denen im Alltagsleben ähneln entsteht die Möglichkeit, u.a. durch die Rückmeldung der Gruppe neue Erfahrungen mit bereits gemachten Situationen zu machen, Konfliktpotentiale aufzudecken und neue Verhaltensweisen zu erproben.

Therapiezielbesprechung (Gruppe)

Aufgrund der Kürze des Aufenthaltes ist es notwendig, für den einzelnen Patienten Teilziele zu erarbeiten, die nach einer gewissen Zeit überprüft werden können. Dies geschieht ebenfalls im Gruppenkontext. Das Erreichte soll und kann dann im Alltag angewendet und erprobt werden.

Stationsinformationsgruppe (Gruppe)

Die Stationsinformationsgruppe dient zum Einen zur Vermittlung wichtiger psychischer und psychosomatischer Erkrankungen und Zusammenhänge auf informativer Ebene. Zum anderen geht es im Rahmen des Gesundheitstrainings darum, Strategien zur Krankheitsverarbeitungen oder Hintergründe zu Themen wie Medikation, Mobbing oder Psychotherapieverfahren etc. zu vermitteln. Zu vielen der Themen erhalten die Patienten auch schriftliches Informationsmaterial.

Selbsthilfegruppe (Gruppe)

Diese Gruppen bieten ohne therapeutische Anleitung jedoch im Rahmen der eigenen Gruppe die Möglichkeit, Probleme anzusprechen und zu diskutieren. Allerdings besteht beispielsweise für Patienten mit Suchtproblemen darüber hinaus die Möglichkeit, an weiteren bekannten regionalen Selbsthilfegruppen teilzunehmen.

Körperwahrnehmungsschule (Gruppe)

Diese ist an die Konzentrative Bewegungstherapie angelehnt. Ziel ist es zunächst, Erfahrungen mit den Reaktionen des eigenen Körpers auf bestimmte Situationen zu sammeln. Dabei können Zusammenhänge zwischen Emotionen und psychischen Reaktionen bewusst gemacht werden, die dann bei Bedarf in der Psychotherapiegruppe oder in Einzelgespräche weiter bearbeitet werden können.

Entspannungsverfahren: Progressive Relaxation oder Autogenes Training (Gruppe)

Jeder Patient erlernt während seines Aufenthaltes ein Entspannungsverfahren. Welches für ihn ausgewählt wird richtet sich nach dem Beschwerdebild und / oder etwaigen Vorerfahrungen in einem der beiden Verfahren.

Wochenendbesprechung (Gruppe)

Die WEB findet unter Anleitung der Stationsschwester statt und bietet ein Forum, um Anregungen, Wünsche und Kritikpunkte zu äußern.

Sportgruppe und Terraintraining (Gruppe)

Beide Angebote dienen der Rekonditionierung und des Trainings und sind fester Bestandteil des wöchentlichen Therapieplans.

Ärztliche Sprechstunde (einzel)

Einmal in der Woche besteht das Angebot den Stationsarzt zu konsultieren.

Visite (einzel)

Einmal in der Woche erfolgt eine Visite durch das Stationsteam, den Oberarzt sowie den Leitenden Arzt.

Diagnostik (einzel)

Die Schwester misst regulär einmal wöchentlich den Blutdruck und kontrolliert das Gewicht des Patienten.

EKG (einzel)

Zu Beginn des Aufenthaltes wird bei jedem Patienten ein Ruhe-EKG geschrieben.

Testpsychologische Diagnostik (Gruppe der An-/Abreisenden)

Die testpsychologische Diagnostik wird zu Beginn und am Ende des Aufenthaltes durchgeführt. Es handelt sich hierbei nicht um Leistungstest, sondern um Tests, in denen es um die Selbstbewertung, die eigene Kontrollüberzeugung, die Psychotherapiemotivation und die Beschwerden der letzten 7 Tage geht. Durch den Vergleich von An- und Abreisetest sollen Indikatoren für durch die Therapie möglicherweise entstandene Veränderungen ermittelt werden. Die Interpretation erfolgt durch die Psychologinnen und Psychologen, die Ergebnisse können im Abschlussgespräch durchgesprochen werden.

Abschlussgespräch (einmalig, einzel)

Im Abschlussgespräch mit dem Bezugstherapeuten wird noch einmal über den hiesigen Aufenthalt reflektiert und angedachte Maßnahmen sowie der Entlassungsmodus besprochen.

Ergänzende Therapien/Sondergruppen- und dienste

Zusätzlich können folgende Dinge verordnet werden:

  • Freies Schwimmen
  • Kneipp - Wassertreten
  • Sauna (Klinik Saale)
  • Wassergymnastik
  • Fit in den Tag (Bewegung vor dem Frühstück)
  • Ergometertraining
  • Medizinische Trainingstherapie (MTT)
  • Wirbelsäulengymnastik
  • Einzelkrankengymnastik
  • Atemgymnastik; Beckenbodengymnastik
  • Schwimmkurs; Rückenschwimmkurs
  • Elektrotherapie
  • Tesi-Liege (+Extension); Tiefenwärme
  • HydroJet
  • Massage; Massage/Rotlicht
  • Lymphdrainage; Lymphomat 
  • Ultraschall; Rotlicht
  • Diätlehrküche; Diätberatung
  • Frühstückslehrbüffet
  • neurophysiologische Diagnostik; apparattechnische Diagnostik

Gruppengestaltungstherapie

Ziel der Gruppengestaltungstherapie ist es, sich über die Gestaltung mit verschiedenen Materialien non verbal auszudrücken und seine psychische Innenwelt auszudrücken. Dabei kommt es keinesfalls auf das künstlerische Können als vielmehr auf die Abbildung der eigenen Emotionen an. Die Ergebnisse werden nach Fertigstellung gemeinsam in der Gruppe besprochen, um so unter Umständen einen neuen Zugang zu sich selbst zu finden, Zusammenhänge zu erkennen, Anregungen zu erhalten etc.. Vor der ersten Gruppenstunde hat jeder Teilnehmer die Möglichkeit, Gestaltungstherapie in einem Vorgespräch kennen zu lernen.

Einzel-Gestaltungstherapie

Die offene Gestaltungstherapie ist eine Kombination aus Einzeltherapie und Gruppentherapie. Zwar befinden sich zum gleichen Zeitpunkt mehrere gestaltende Patienten im Raum, allerdings konzentriert jeder sich auf seine Thematik und ist dennoch nicht Mittelpunkt des Interesses der Therapeutin. Auch hier findet vor dem ersten Termin ein Vorgespräch statt.

Relax-Painting

Ebenso wie Autogenes Training und Progressive Relaxation ist das Relax-Painting ein Entspannungsverfahren. Der Umgang mit Pinsel, Farben und Formen unter dem Einfluss von Musik hat zum Ziel Verspannungen und Blockaden zu lösen. Im Zentrum stehen auch hier wieder Erleben und Tun. Vor der ersten Teilnahme findet ein Kennlerntermin statt.

Gedächtnistraining nach Stengl

SEL – Sondergruppe Erwerbsleben

Die SEL-Gruppe ist eine themenzentrierte Gruppe, bei der es um jegliche Probleme am Arbeitsplatz oder im Erwerbsleben gehen kann. Probleme wie z.B. Konflikte mit Arbeitskollegen, Untergebenen oder Vorgesetzten bis hin zu Mobbing und Bossing, das Gefühl der Unter- oder Überforderung durch die täglichen Aufgaben oder Situationen, Arbeitsplatzverlust, Angst vor Bewerbungen oder einem neuen Arbeitsplatz werden gemeinsam mit der Gruppe bearbeitet. Es wird versucht, die Wahrnehmung des einzelnen zu beleuchten und Erklärungen, Handlungsansätze und Lösungsstrategien zu erarbeiten, die dem Teilnehmer nach seiner Rückkehr an den Arbeitsplatz bzw. den Heimatort helfen sollen, sich besser im beruflichen Alltag zurechtzufinden.

Rauchfrei

Diese Gruppe soll auf dem Weg zum Nichtraucher durch die Entwicklung und Stärkung bewussten Wahrnehmung als Anregung und Unterstützung dienen. Sie setzt sich aus jeweils zwei Informationsgruppenstunden, einer atemtherapeutischen Stunde und einer Stunde Genusstraining zusammen.

Weitereführende Testdiagnostik

Durch eine weiterführende Testdiagnostik können bei festgestelltem Bedarf objektivierte Kriterien dafür erhoben werden, ob und in wie weit z.B. Aufmerksamkeitsdefizite vorliegen oder die Gedächtnisleistung eingeschränkt ist-

Sozialberatung

In der Sozialberatung besteht die Möglichkeit, sich zu Fragen rund um die berufliche Situation, Wohnungssituation, finanzielle Aspekte, Rente, Schwerbehinderung, Übergangsgeld etc. beraten und bei Bedarf auch Unterstützen zu lassen.

Berufliche Rehaberatung

Wird bei einem Patienten festgestellt, dass er aus gesundheitlichen Gründen künftig nicht mehr in seinem alten bzw. überwiegende ausgeübten Beruf arbeiten können wird, so besteht die Möglichkeit einer beruflichen Rehabilitation mit der Deutschen Rentenversicherung Bundals Kostenträger. Wird ein solcher Bedarf während des Aufenthaltes festgestellt, so besteht etwa 14-tägig die Möglichkeit zu einem Beratungsgespräch durch einen Reha-Berater der Deutschen Rentenversicherung Bund.