Allgemeines Behandlungskonzept

Das Behandlungskonzept umfasst die gängigen, wissenschaftlich fundierten Methoden der Reha-Medizin für chronisch kranke Menschen: Ausführliche Patienteninformation mit Anleitung zum Selbstmanagement, Hilfen zur angemessenen Krankheitsverarbeitung, bewusstes Einüben einer gesunden Ernährung, angewandte körperlich aktivierende Maßnahmen, zweckmäßige medikamentöse Therapie sowie gezielte diagnostische Maßnahmen zur Beurteilung des Krankheitsstadiums. Einen hohen Stellenwert hat die Informativ-Medizin: Ein breit gefächertes Angebot an Gruppenschulungen will umfassendes Wissen über die chronischen Krankheiten vermitteln, zu einem angemessenen Lebensstil motivieren und geeignete Wege zur Verhaltensänderung aufzeigen.  Hauptziel dabei ist es, dem chronisch kranken Menschen einerseits einen selbstbestimmten Umgang mit seiner Krankheit und andererseits persönlich, familiär, beruflich und sozial im Sinne der ICF die Teilhabe zu ermöglichen. Es geht uns darum, unseren Patienten den bestmöglichen Handlungsspielraum für eine gute Lebensqualität zu eröffnen.

Deshalb haben die Mitarbeiter der Klinik Saale aus den verschiedensten Berufsgruppen - das multiprofessionelle therapeutische Team – für sich bereits vor mehreren Jahren für die Interaktionen mit den Patienten als primäres Leitziel formuliert

Gesundheit erhalten und fördern - mit Krankheit leben lernen

Diese Aussage soll als Grundgedanke die Behandlungsphilosophie des Hauses prägen.

Unsere allgemeinen Behandlungsziele

  1. Wir wollen, dass der Patient lernt, seine Krankheit zu akzeptieren und zu bewältigen. Dazu gehört es, ihn umfassend zu informieren, seine Ängste zu mindern, sein Selbstvertrauen zu stärken, seine Selbständigkeit zu fördern, ihm dabei seine krankheitsbezogenen Freiheiten aufzuzeigen, sowie Sicherheiten im Umgang mit seiner Erkrankung zu geben.
  2. Wir bemühen uns, dass der Patient durch individuelle Zielvorgabe körperlich und psychisch zu seiner optimalen Einstellung gelangt und dass er trotz seiner Krankheit eine möglichst gute Lebensqualität besitzt.
  3. Wir sind bestrebt, die Ziele und Wünsche des Patienten mit den Leitlinien der medizinischen Fachgesellschaften und den Qualitätsanforderungen für den Bereich der Rehabilitation in Einklang zu bringen. Im Rahmen einer ganzheitlichen Betreuung wollen wir die drei Aspekte Wissen, Fühlen und Handeln (Hirn, Herz und Hand) ansprechen. Wir wollen, dass der Patient das Wesentliche seiner Erkrankung erfasst, einen angemessenen Umgang mit seiner Krankheit erlernt und insgesamt in die Lage versetzt wird, sein Leben als Mensch mit einer chronischen Krankheit selbständig und eigenverantwortlich zu gestalten
  4. Neben einem hohen medizinischen Standard wollen wir dem Patienten auch eine angenehme Servicequalität bieten, so dass er sich in unserem Haus wohlfühlt und durch eine entspannte Lernatmosphäre das Behandlungsziel leichter erreichen kann.

Unsere speziellen Leit-Ideen

  1. Wir versuchen. die Individualität des Patienten zu respektieren und ihn in seiner besonderen Lebenssituation als Mensch mit einer chronischen Erkrankung anzunehmen.
  2. Wir wollen mit ihm gemeinsam konkrete, für ihn erreichbare Behandlungsziele erarbeiten und ihn nicht durch zu hohe Zielvorgaben überfordern.
  3. Wir wollen den Patienten helfen, ermutigen und dabei begleiten, seinen individuellen Weg für einen krankheitsangemessenen Lebensstil zu finden und zu gehen.
  4. Wir bemühen uns, nicht nur Wissen zu vermitteln, sondern wir wollen vor allem auch eine Änderung der Einstellung und des Verhaltens bei dem Patienten bewirken.
  5. Wir möchten, dass sich der Patienten in unserer Klinik wohlfühlt.
  6. Durch vertrauensvolle Zusammenarbeit aller Klinikmitarbeiter wollen wir als Team einen respektvollen Umgang über Hierarchie-Ebenen und Abteilungsgrenzen hinweg erreichen. Dazu gehören auch die Fähigkeit und die Bereitschaft zur Kritik und zur Selbstkritik in einer positiven offenen und ehrlichen Atmosphäre.
  7. Ein umfassendes Qualitätsmanagement ist für uns ein wichtiger Standard.

Diagnostische Untersuchungsmethoden

In der Klinik Saale werden folgende apparativ-diagnostische Verfahren durchgeführt:

  • Ruhe-EKG, Belastungs-EKG (bis 200 kg) 
  • Farbdoppler-Echokardiographie
  • Langzeit-EKG und Langzeit-Blutdruckmessung
  • Schlaf-Apnoe-Diagnostik 
  • Dopplersonographie peripherer Gefäße
  • Ultraschalluntersuchung (Abdomen und Schilddrüse) 
  • Röntgenuntersuchung
  • Klinisch-chemisches Labor
  • Lungenfunktionstest (Bodyplethysmographie), Blutgasanalyse

Informativmedizin, Seminare zur Lebesstiländerung

In der Klinik Saale werden ca. 100 verschieden Schulungsveranstaltungen aus dem allgemeinen medizinischen, diabetologischen, kardiologischen und psychologischen Bereich angeboten. Teils handelt es sich um mehrstündige Gruppenveranstaltungen, z.B. Ernährungskurse, Kurse über die intensivierte Insulintherapie (getrennt nach Typ-1, sowie Typ 2 Diabetes mit bzw. ohne Insulinbehandlung), verhaltenstherapeutisch orientierte Kurse für Übergewichtige, Entspannungsmethoden (Autogenes Training bzw. Progressive Muskelentspannung), sowie Stressbewältigung. Daneben gibt es zahlreiche themenorientierte Einzelveranstaltungen, die mit unterschiedlicher Häufigkeit (teils wöchentlich, teils 14-tägig, teils 3-wöchentlich) und in verschiedenen Gruppengrößen angeboten werden. Schulungsinhalte, bei denen das Einüben neuer Verhaltensweisen im Vordergrund steht, werden in Kleingruppen von 5 - 10 Patienten vermittelt und wiederholen sich wöchentlich (z.B. Selbstkontrolle, Spritztechnik). Schulungsthemen, die mehr auf die Wissensvermittlung abzielen, wiederholen sich 14-tägig bzw. 3-wöchentlich und finden in größeren Gruppen statt (10 - 25 Patienten)

Dieses auf dem Modelsystem basierende Schulungskonzept ermöglicht es für jeden Patienten ein für seine Bedürfnisse entsprechendes Programm zu erstellen. Die individuelle Stundenplangestaltung erfolgt mit dem EDV-Programm Time-Base der Firma Magrathea. Im Durchschnitt nimmt jeder Patient während eines dreiwöchigen Heilverfahrens an 30 - 50 Schulungsveranstaltungen in der Gruppe teil. Außerdem erhält er noch zahlreiche Einzelberatungen, nämlich je nach Bedarf von den Ärztinnen und Ärzten, den Schwestern auf Station, Diabetesberaterinnen und Diabetesassistentinnen, von Diabetologen, Diätassistentinnen, Psychologen und bei der praktischen Fußpflege.

Die Schulungsveranstaltungen im einzelnen

A: wahlweise für alle Patienten

  • Fit durch Bewegung
  • Körperlich aktiv - Was bringt's?
  • Grundlagen einer gesunden Ernährung (2 Std.)
  • Ernährungstipps für den Alltag (2 Std.)
  • Stressbewältigung (4 Std.)
  • Autogenes Training
  • Progressive Muskelentspannung nach Jacobson (jeweils 8 Std.)
  • Nichtrauchertraining (4 Std.)
  • Gedächtnistraining
  • Lehrküche
  • Buffetsystem mit Beratung (Mo - Fr.)

B: speziell für Patienten mit Herz- und Kreislauferkrankungen

  • Bluthochdruck - die stumme Gefahr
  • Einweisung in die Blutdruck-Selbstkontrolle
  • Gefäßkrankheiten, Risikofaktoren-Management
  • Spezielle Ernährungstipps bei Bluthochdruck und Fettstoffwechselstörung

C: speziell für Patienten mit Übergewicht bzw. Adipositas

  • Vortrag: Ursache und Behandlung
  • Kurs Verhaltensänderung (5 Std.) mit den Themen:    
     - Übergewichtige als Experten  
     - Gesundheit, Aussehen und Genuß    
     - Aktivität nützlich oder nötig     
     - Psychologische Tricks            
     - Motivation über den Tag hinaus
  • Ernährungsseminar (4 Std.) mit den Themen:  
     - Nahrungsbestandteile
     - abwechslungsreiche Mischkost         
     - Bewusstes Essen und Trinken           
     - Tipps und Tricks für den Alltag
  • Seminar: Misserfolge, Frust, neue Wege
  • Genusstraining
  • Körperwahrnehmungsschulung
  • Was kommt nach der Reha?

D: speziell für Patienten mit Diabetes

Für alle Diabetiker als Basisschulung

  • Diabetesmanagement
  • Folgeerkrankungen
  • Stoffwechselselbstkontrolle
  • Fußpflege
  • Was ist eine gute Einstellung?
  • Diabetes und Soziales
  • Männerrunde

Für nicht insulinspritzende Diabetiker gesondert 

  • Tablettenbehandlung
  • körperliche Aktivität
  • Stoffwechselentgleisungen
  • Kurs zur Verhaltensänderung (5 Std.)
  • Selbsterfahrung bei körperlicher Aktivität (gesondert für Kraft bzw. Ausdauer)

Für Typ-2-Diabetiker mit Insulinbehandlung gesondert 

  • Grundlagen der Insulintherapie
  • Stellenwert der Insulintherapie  
  • Praxis der Insulintherapie im Alltag
  • Besonderheiten bei Unterzuckerung  
  • Gefahr der BZ-Entgleisung, Ketoazidose
  • Praktischer Umgang mit Insulin, Spritztechnik
  • Insulintherapie für Neueinsteiger
  • Umgang mit besonderen Situationen
  • Information über Blutzuckermessgeräte und Spritzhilfen
  • Diskussionsstunde über eigene Erfahrungen
  • Psychologischer Kurs: „Gesunder Lebensstil“

Für Typ-1-Diabetiker mit Insulinbehandlung gesondert 

  • Konzept der intensivierten Insulintherapie
  • Praxis der intensivierten Insulintherapie (2 Std.)
  • Körperliche Aktivität - Tipps für den Alltag  
  • Unterzuckerung: Risiken, Kennzeichen, Vermeidung und Behandlung
  • Praktischer Umgang mit Insulin, Spritztechnik
  • Insulintherapie für Neueinsteiger
  • Umgang mit besonderen Situationen
  • Erfahrungsaustausch, Diskussion von Blutzuckerverläufen
  • Information über Blutzuckermessgeräte und Spritzhilfen
  • Insulinpumpenbehandlung (3 Std.)
  • Psychologisches Seminar: Krankheitsbewältigung (3 Std.)

E: speziell für Patienten mit Hormonerkrankungen

  • ausführliche fachärztliche Beratung
  • optimale medikamentöse Therapie

Außer den regelmäßigen, wöchentlichen Visiten auf Stationsebene besteht die Möglichkeit, zu themenorientierten Einzelberatungen beim Diabetologen, Endokrinologen, Kardiologen, Psychologen, Diätassistentin und bei der Diabetesberaterin.

An sämtlichen Schulungsveranstaltungen können auch die Angehörigen von Patienten teilnehmen. 

Physiotherapie

In der Klinik Saale werden individuell für jeden Patienten aufgrund seiner Fähigkeiten und Notwendigkeiten zweckmäßige physiotherapeutische Maßnahmen als Einzel- und Gruppentherapien durchgeführt.

Bewegungstherapie und Krankengymnastik:

  • Gruppengymnastik nach verschiedenen Kriterien (Beweglichkeit, Koordination, Kondition) 
  • Rückenschule 
  • Ergometertraining 
  • Spezielle Gymnastik für adipöse Patienten
  • Atem- und Schultergymnastik 
  • Bewegungsbad (auch gesondert für adipöse Patienten)
  • medizinisches Muskelaufbautraining an Geräten
  • freies Schwimmen
  • Sauna
  • Walking, Nordic-Walking 

Physikalische, balneologische Therapie:

  • Fangopackungen, Heißluft, Kryotherapie
  • Elektrotherapie (auch Ultraschall und Mikrowelle)
  • Medistream
  • klassische Massagen, Unterwassermassagen
  • manuelle Lymphdrainagen, Lymphomat
  • Reflexzonenmasage
  • Vierzellenbäder, Zweizellenbäder
  • Stangenbäder
  • ansteigende Arm- und Fußbäder
  • medizinsche Voll- und Teilbäder
  • Kneippsche Güsse
  • Inhalationen 

In der medizinischen Trainingstherapie werden mit entsprechenden Geräten die verschiedensten Muskelgruppen gezielt gekräftigt und damit das Skelettsystem stabilisiert. Nach entsprechender Einweisung kann der Patient ein für ihn gesondert erstelltes Trainingsprogramm selbständig durchführen.      

Als Stoffwechsel-, Konditions- und Herz-Kreislauftraining führen wir unter Supervision (bei Herzpatienten zusätzliche Anwesenheit eines Arztes) ein computergesteuertes Ergometertraining durch. Hierbei werden für den Patienten individuelle Leistungsparameter mittels ständiger Überwachung der Herzfrequenz und des Blutdrucks ermittelt sowie im weiteren Training angeglichen. Diese Leistungsparameter werden mit dem Patienten besprochen und bilden die Basis zur Motivation und Anregung des Trainings für zu Hause.